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Ereignisse | 201211vo11 vom 3. Juni 2012, Knatsch oder lustvoll streiten

11vo11 vom 3. Juni 2012, Knatsch oder lustvoll streiten

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11vor11-Gottesdienst „Knatsch oder lustvoll streiten“

 

TEGERFELDEN – Das Wort „Streit“ dürfte wohl bei den meisten Menschen ein ungutes Gefühl hervorrufen: oft finden wir uns unversehens in einer Situation wieder, in der wir – manchmal ohne erkenntlichen Grund – mit einem oder sogar mehreren Menschen auf Kollisionskurs gehen. Trotzdem gehört das Streiten zum Leben, weshalb am vergangenen Sonntag genau dieser Fragestellung nachgegangen wurde.

 

Kann streiten überhaupt lustvoll sein?

Rosmarie Schellenberg begann mit einer Definition des Wortes „Streit“, indem sie entsprechende Passagen aus Wikipedia, dem Duden und anderen Nachschlagewerken vorlas und illustrierte sie mit verschiedenen Beispielen aus dem Alltag. Schnell wurde dabei klar, dass das Wort „Streit“ eigentlich vorwiegend negativ belegt ist. So erscheint die Forderung nach „lustvollem Streiten“ eigentlich ziemlich unmöglich. Trotzdem gibt es in den verschiedensten Sachbüchern unzählige Rezepte, wie Konflikte fruchtbar – im Idealfall sogar Gewinn bringend – zu lösen sind. Das an der Leinwand eingeblendete Sprichwort „Bei einem Streit werfen sich zwei Parteien zu Beginn etwas vor und zum Schluss etwas nach“ muss also nicht der zwingende Lauf der Dinge sein.

 

Konflikte auch im Pfarrhaus

Anschliessend machte das Pfarrehepaar Regine und Johannes Hug anhand einer Alltagsszene klar, dass auch im Pfarrhaus Konflikte durchaus dazu gehörten. Insbesondere an Tagen, wo man unter grossen Belastungen steht oder an ausgeprägter Müdigkeit leidet, ist die Tendenz höher, einen Konflikt auch richtig ausarten zu lassen. Die Schwierigkeit bei einem Streit liegt häufig darin, dass wir den Fehler vor allem bei unserem Gegenüber suchen und nur sehr selten bei uns selbst anfangen. Der Verlust des eigenen Gesichts spielt bei der Austragung eines Konflikts eine nicht zu unterschätzende Rolle. Die Gefahr, bei einer Streitigkeit eine persönliche Niederlage einfahren zu müssen, ist erheblich, und so ist es nahe liegend, dass viele Menschen in solchen Situationen primär darauf aus sind, nicht „als Verlierer vom Platz zu gehen“. Regine Hug verglich einen Konflikt mit einem Eisberg: die Sachebene ist zwar sichtbar, aber klein, hingegen liegt die Persönlichkeitsebene unter dem Wasserspiegel; es braucht mehr Zeit, dieser Ebene auf den Grund zu geben, aber es lohnt sich alleweil.

 

Wenn mein Gegenüber zu Vergebung nicht bereit ist…

Eine ausserordentlich spannende Frage wurde beim anschliessenden Kreuzverhör gestellt: „Wie gehe ich damit um, wenn ich jemandem verzeihen kann, mir aber umgekehrt keine Vergebung angeboten wird?“ Das Pfarrehepaar Hug machte deutlich, dass solche Konstellationen möglich seien. In solchen Fällen entstünde dann leider kein Ausgleich zwischen den Konfliktparteien, was meist dazu führte, dass es zu einer länger andauernden Verstimmung komme, im schlimmsten Fall gar zu einem totalen Zerwürfnis. Aus christlicher Sicht gebe es dann eigentlich nur eine Lösung, nämlich Gott sein Gegenüber im Gebet anzuvertrauen. Sogar wenn man es – oft im Unterbewusstsein – für den Streit verantwortlich mache. Diese Grundhaltung ist ausgesprochen schwierig, setzt aber bei einem für die Konfliktlösung zentralen Punkt an, nämlich mit der Frage: „Bin ich nicht selber zumindest mitverantwortlich für den Missstand zwischen meinem Mitmenschen und mir?“ Einmal mehr wird also deutlich, dass erfolgreiche Konfliktbewältigung stets beim Ich beginnt und nicht beim Gegenüber.

Der nächste 11vor11-Gottesdienst findet am Sonntag, 2. September, zum Thema „Träumst du noch oder lebst du schon“ in der Kirche Tegerfelden statt.

 

Stephen Livingstone, Tegerfelden